If you can't go outside - go inside

Dieser Tage wird oft der Gedanke geäußert, dass man ganz auf sich zurückgeworfen sei. Viele Türen sind verschlossen und es gibt nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten, wie sich gemeinschaftliches Leben entfalten kann. Aber ist das nicht DIE Möglichkeit, ein Stück innere Einkehr zu halten? Zur Weihnachtszeit klagen viele Menschen darüber, dass sie in diesen, als so besinnlich angekündigten Tagen, gar nicht zur Besinnung kommen. Ostern 2020 war in dieser Hinsicht vielleicht etwas anders. Womöglich sind wir gerade von einigen sonst so dringlichen Tätigkeiten und Pflichten entbunden. Aber wird allein dadurch die Zeit besinnlicher?

Es scheint nicht so einfach zu sein, zur Besinnung zu kommen. Vielleicht macht sich sogar ein Gefühl von Unbehagen und Unsicherheit breit, wenn man sich selbst betrachtet. Vielleicht würde man gerne wieder in den „go outside“-Modus wechseln, weil plötzlich Gedanken angespült werden, denen man ganz schutzlos ausgeliefert ist. Man ist konfrontiert mit seiner eigenen Endlichkeit und der Sinnhaftigkeit des Lebens. Mitunter stellen diese Gedanken den ganzen Lebensentwurf in Frage. „Go inside“ heißt auch, dass man durch das hübsch ausgeleuchtete Kabinett seiner Sehnsüchte, Wünsche und Fehlleistungen flaniert. Manche Pläne sind vielleicht nicht aufgegangen und man trauert ihnen noch nach, andere sind umgesetzt aber haben schmerzhafte Kollateralschäden in der Beziehung zu unserem Nächsten hinterlassen. Manch einer entdeckt vielleicht gar keinen Plan und vermisst die äußere Ablenkung von dieser inneren Leere. Die Konfrontation mit uns selbst ist wohl eine der größten Herausforderungen unseres Seins. Wo ist da ein Grund in den ganzen Untiefen, auf den ich mich zurückbesinnen kann?

Eine eindrückliche Botschaft aus dem Ostergeschehen lautet: „Fürchte dich nicht.“ Und das ist ganz wörtlich zu nehmen. Gemeinsam mit Christus kann ich es wagen, frei von inneren Ängsten und unerfüllbaren Erwartungen eine Selbstbetrachtung vorzunehmen. Einiges mag dabei anders sein, als ich es erwarte oder als es gut wäre. Aber Jesus klagt nicht an. Er kommt mir entgegen, begleitet mich und ermöglicht mir in seiner vorbehaltlosen Liebe, dass ich neu beginnen darf. Wo ich tief im Inneren mit Gott einen neuen Anfang wage, da bricht sich dieser Neubeginn frühlingshaft Bahn und drängt in Gedanken, Worten und Taten nach außen. Das ist neues Leben.